Schätzungsweise 600.000 Kunstwerke wurden während der NS-Zeit geraubt oder unter Zwang verkauft. Achtzig Jahre später sind viele davon noch immer nicht zurückgegeben. Die Provenienzforschung — die systematische Untersuchung der Herkunft von Kunstwerken — ist zu einem eigenen wissenschaftlichen Feld geworden.
Die Washingtoner Prinzipien von 1998 verpflichteten 44 Staaten zur Rückgabe von NS-Raubkunst. Doch die Umsetzung ist schleppend: Bürokratische Hürden, fehlende Dokumentation und juristische Streitigkeiten verzögern Restitutionen um Jahrzehnte.
Ein aktuelles Beispiel: Die Familie Grunbaum kämpft seit Jahren um die Rückgabe von Egon-Schiele-Zeichnungen, die sich in amerikanischen Museen befinden. Der Fall zeigt, wie komplex Provenienzfragen sein können — und wie wichtig es ist, sie nicht zu vergessen.
Provenienzforschung ist keine trockene Archivarbeit. Sie ist Gerechtigkeit.
